6 Die Königskrone.
Stunde. Aber bald beſchloß der Biſchof die Exequien mit einem letzten Gebete für die Seele der Königin Iſabella von Caſtilien und nahm in der Mitte der übrigen Prieſter ſeinen Abtritt vom Hochaltare. Kaum waren die Diener der heiligen Meſſe verſchwunden und die Trauergeſänge verſtummt, als der erſte Ehren⸗ herold des Erzherzogs vortrat an das Trauergerüſt und mit lauter Stimme drei Mal hinter einander rief: „Die Königin von Caſtilien iſt todt!“ Hierauf warf er den Heroldsſtab zu Boden, wandte ſich nach der Tribune, verneigte ſich drei Mal vor dem erzherzog⸗ lichen Paare, hob den Baldachin über demſelben hin⸗ weg und legte ihn auf den hohen Altar und rief aber⸗ mals drei Mal!„Es leben Philipp und Johanna, König und Königin von Caſtilien, Leon, Toledo und Granada!“ Achtzehn Trompeter zu beiden Seiten des Altars ſchmetterten hinter jedem Rufe eine Fanfare und bei der letzten ſanken die ſchwarzen Hüllen der Kirche, die Kerzen auf dem Trauergerüſt erlöſchten und das helle Tageslicht quoll durch die hohen Fenſter. Der erſte Ehrenherold trat wiederum vor den neuen König und redete ihn an:„Durchlauchtigſter Herr, es wird Euch hiermit angedeutet, daß Ihr, nach Gewohn⸗ heit der Kaiſer und Könige, den Herzogshut ablegen ſollt, den zu tragen Euch als König nicht mehr ge⸗ bührt!“ Sogleich erhob ſich der Hofkanzler und ſtieg auf der rechten Seite zu Philipp hinan; der erſte Eh⸗


