Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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Die Königskrone. 5

Platz, zwei Stufen tiefer ſeine Schweſter und Kinder; zu beiden Seiten der zahlreiche Hofſtaat und die eaſti⸗ liſchen Adeligen, Granden, Ricos Hombres, Cavalle⸗ ros und Hidalgos, welche nach dem Tode ihrer Köni⸗ gin aus Spanien herbeigeeilt waren, ihr junges Kö⸗ nigspaar in Brüſſel zu begrüßen und ſich von Philipp, je nach Umſtänden, Gnadenbezeigungen und Vortheile zu verſchaffen. Unter ihnen zeichnete ſich Don Juan Manuel de Campos de la Torre, der Geſandte der Kronen von Caſtilien und Arragonien beim Könige Maximilian, aus. Dieſer hatte kaum das Ableben ſei⸗ ner Königin erfahren, als er ſeines eignen Vortheils wegen und auf Anſuchen einiger eaſtiliſcher Herren auch ſogleich nach Brüſſel, wo er ſich dergeſtalt in Philipps Gunſt zu ſetzen wußte, daß dieſer ihn nicht wieder entlaſſen wollte.

Die Ehrenherolde ſtellten ſich mit ihren Stäben zwiſchen der Tribune und dem Trauergerüſte auf. Das feierliche Hochamt begann. Wiederum wogten die ſchwer⸗ müthigen Klagegeſänge der Prieſter, wiederum flamm⸗ ten die Kerzen trübe in den Weihrauchwolken und der ſchwarzbekleideten Kirche; der Anblick der in Trauerge⸗ wande gehüllten Menge machte wiederum einen düſtern und ſchmerzlichen Eindruck auf alle Anweſende und das Erſcheinen der jungen, heftig weinenden fürſtlichen Witwe erhöhete noch die ernſte Stimmung der dem Andenken und dem Seelenheile der Todten geweihten