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4 Die Königskrone.
terin, wieder zu dem einzigen ihr noch gebliebenen theuern Herzen, zu ihrem Bruder Philipp. Zwar liebte ſie ihren Vater, aber ſie war ja immer nur kurze Friſten in ſeiner Nähe geweſen, er war ihr zu fern in ſeinen tyroler Bergen; ihr Herz hatte nie Gelegen⸗ heit gehabt, mit dem ſeinigen zu verwachſen.
An ihres Philipps Bruſt ſchluchzte ſie:„Ich bringe dir ſeine letzten Küſſe; er liebte dich, wie mich, und in ſeiner Todesſtunde war er nur mit uns Beiden be⸗ ſchäftigt. Ach, Philipp, Philipp! wer hätte das ahnen ſollen, als du vor ſechs Monaten von uns gingeſt, daß ich heuß wiederum als Witwe zu dir kommen würde!“
Alle Augen wurden naß; ein Jüngling im Gefolge weinte troſtlos. Es war Marx von Bübenhoven.
—„Faſſe dich, mein Gretchen!“ tröſtete der erſchüt⸗ terte Erzherzog.„Wer kann wider göttliche Schickung! Wir ſtehen alle in der Hand des Herrn!“
Margaretha umarmte ihre Schwägerin, die wenig Theilnahme für ihren Schmerz hatte, und ſchloß ſich dann mit ihren Frauen der fürſtlichen Familie an, als deren Glied ſie nun wieder betrachtet wurde, um mit in die Kirche zu der wichtigen Feierlichkeit zu ziehen, welche heute dort beabſichtigt wurde.
Der Erzherzog nahm mit ſeiner Gemahlin auf einer dicht vor dem Hochaltare dem Trauergerüſt gegenüber errichteten, mit einem Baldachin überdeckten Tribune
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