Die Königskrone. 3
hielt. Die herzutretenden Diener hoben einige in die tiefſte Trauer gekleidete vornehme Frauen heraus, von denen die höchſte und ſchlankſte— eine majeſtätiſche Geſtalt— in die koſtbarſten ſchwarzen Schleier gehüllt, mit fieberhaft raſchen Schritten, die ihre gewaltige in⸗ nere Bewegung verriethen, die Treppe hinaufeilte und bald in der Halle vor dem Erzherzog ſtand. Sie ſchlug den Schleier vom Antlitz zurück und ſank laut aufweinend in die ausgebreiteten Arme des jungen Fürſten. Es war Margaretha, die vom Tode der ihr theuern Herzen merkwürdig ſtreng verfolgte edle habs⸗ burgiſche Fürſtin. Abermals zog ſie, eine trauernde Witwe, in das fürſtliche Haus ihrer mütterlichen Ahnen ein, wiederum waren zwei von ihr heißgeliebte Men⸗ ſchen früh in den Tod gegangen, der blühende jugend⸗ liche Gatte und die edle Schwiegermutter, die hochher⸗ zige Iſabella. Die Stunde ihrer Ankunft war um ſo erſchütternder, denn der heutige Tag, der 10. Januar, war ihr fünfundzwanzigjähriger Geburtstag. Fünf⸗ undzwanzig Jahre und ſchon drei Mal des Gatten beraubt!
Verſtoßen von Frantreich glänzendem Königsthron, ein harmloſes unſchuldiges Kind, Witwe des Erben der mächtigen ſpaniſchen Königsthrone und Witwe des ſanften, liebenswürdigen Herzogs von Savoyen, von dem ſie angebetet worden war, trat ſie, die unglückliche Tochter Oeſtreichs und Burgunds, die gefühlvolle Dich⸗


