Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Königskrone : 3. Theil (1846)
Entstehung
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Die Königskrone.

zu vereinigen. Denn ganz Brüſſel wußte, daß heute die Hauptfeierlichkeit ſtattfinden und das düſtere Ge⸗ pränge der Beſingniß einem glänzenden und pomphaf⸗ ten weichen würde, einem Schauſpiele, wie es in der burgundiſchen Herzogsreſidenz noch niemals eines Men⸗ ſchen Auge erblickt habe. Die ganze Hofdienerſchaft, wie die Landes⸗ und Stadtbehörden waren bereits in ihren verſchiedenen Lokalen verſammelt, um ſich in feier⸗ lichen Proceſſionen nach der Kirche zu begeben, alle mit doppelten ſchwarzen Schleifen an den Hüten zum Zeichen doppelter Trauer. Denn nicht allein den Tod der Königin von Caſtilien hatte der herzogliche Hof zu betrauern, auch der junge und lebensfrohe Herzog von Savohen war nach kurzer Krankheit vor wenigen Monaten geſtorben, und man erwartete täglich die Rückkehr ſeiner jungen Witweder Erzherzogin Mar⸗ garetha, in ihr Mutterland, wohin ſie von ihrem Bru⸗ der auf's zärtlichſte eingeladen worden war, um die Statthalterſchaft über die Niederlande zu übernehmen, während er ſeinen Zug nach Spanien machen und ſich dort in Beſitz des ihm zugefallenen eaſtiliſchen Throns

ſetzen wollte.

Das erzherzogliche Paar ſtand eben im Begriff, in⸗ mitten ihres großen Hofſtaates die Schloßhalle zu ver⸗ laſſen und ſich in die Kirche zu begeben, als ein von ſechs Rappen gezogener Wagen durch das Thor und die Straßen rollte und vor dem herzoglichen Schloſſe