die Ree iberbracht worden war, den ſie aber bis jetzt gezogert
hatte ihrer Lochter zu überreichen, um die Sehnſucht
derſelben nach dem Gemahl nicht noch höher zu ſteigern. Der Brief brachte die günſtigſte Wirkung auf das Ge⸗ müth der Leidenden hervor. Sie las ihn wiederholt, küßte ihn, überſtrömte ihn mit Thränen, jubelte über die Liebesverſicherungen, die derſelbe enthielt, und ließ ſich nun leicht bewegen ihre Zimmer wieder einzuneh⸗ men. Die Königin und der Erzbiſchof blieben einige Zeit bei ihr, bis die erſtere ſich wieder etwas von den erfahrenen Erſchütterungen und dem Krankheitsanfall erholt hatte.
Juanna brachte den Winter damit zu, ihrem Ge⸗ mahl lange Briefe zu ſchreiben; durch die Geiſtesver⸗ wirrung, die ſich darin in jeder Zeile kundgab, ſchim⸗ merte ſtets die füßeſte, rührendſte Zärtlichkeit. Auch nahm ſie ſich ihrer Katzen wieder mit der alten Liebe an, fütterte, kleidete, wartete ſie und reichte ihnen Arzneien, wenn ſie krank waren. Außerdem zählte ſie jeden Tag und freute ſich kindiſch am Abend, daß ſie nun ihrer Abreiſe wieder einen Tag näher ſei. In der Mitte des Februar langten auf ihr dringendes Bitten ihre Eltern in Medina del Campo an, um von ihr Abſchied zu nehmen, und am 1. März fand ihre Ab⸗ reiſe ſtatt. Iſabella hielt ſie lange umarmt und wollte ſie nicht laſſen.„Ich ahne,“ ſprach ſie,„daß ich dich nicht wiederſehe, mein unglückliches Kind. Wehe mir,


