nach Spanien. 365
Glück, das mit raſtlos aufgehäuften Kronen errungen worden war! Ihre Seelenſtärke verließ ſie ſo ganz, daß ſie untergegangen wäre in Jammer und Verzweif⸗ lung, wenn Pimenes' hoher Geiſt ihr nicht rettend zur Seite geſtanden hätte. Aber er, der die Genüſſe der irdiſchen Größe und den Glanz der Macht ſtets verachtet, der allein mit bewundernswürdiger Strenge und Ausdauer den Ruhm und die Herrlichkeit des Got⸗ tesreiches im Auge gehabt, er war jetzt der rechte Mann für die Königin. Mit ſanften, ernſten Worten lenkte er ihren Blick von der irdiſchen Unvollkommen⸗ heit auf die göttliche Gnade; er träufelte in ihre wunde Bruſt den milden Balſam der Religion; er erſchütterte ihre Seele, indem er ſie auf Augenblicke dem kalten und ſchneidenden Sturme der Wirklichkeit preisgab, um ſie mit liebenden Armen dann in die warmen Re⸗ givnen des gottbegeiſterten Glaubens emporzuheben. Erſt durch die heiligſten Verſprechungen gelang es der Königin ihre Tochter etwas zu beruhigen. Sie mußte der Armen auf eine geweihte Hoſtie ſchwören, ſogleich und unverzüglich Befehl zur Ausrüſtung einer Flottille zu geben, auf welcher ſie, die Erzherzogin, mit dem erſten Frühlingstage des nächſten Jahres die ſpaniſchen Küſten verlaſſen könnte. Den Verdacht der Kranken, als lebe der Erzherzog gar nicht mehr, wi⸗ derlegte die Königin dadurch, daß ſie ihr Philipp's Brief übergab, der kurz vorher von der Geſandtſchaft


