Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die Reise nach Spanien : 2. Theil (1846)
Entstehung
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nach Spanien. 363

nicht aus dem Bezirk des Schloſſes konnte. Sie rang die Hände verzweiflungsvoll und jammerte wie ein Kind. Unterdeſſen waren ihre Frauen, der Arzt, der Haushofmeiſter und einige Cavaliere hinzugekommen und baten ſie mit den ſanfteſten Worten und mit Thrä⸗ nen zurückzukehren und ſich durch ſolch Beginnen nicht in Noth zu ſtürzen. Stumm ging ſie zwar nach dem Schloſſe zurück, aber dort trat ſie im Erdgeſchoß in die Küche und war weder durch Bitten noch durch Dro⸗ hungen zu vermögen, dieſen Raum wieder zu verlaſſen. Nicht Froſt, nicht Unbequemlichkeit brachten ſie dazu, ihre Zimmer wieder zu beziehen. Man mußte ihr in dieſer Küche ihre Speiſe reichen, man mußte ihr das Nachtlager hier bereiten. In ſich gekehrt und jammernd ſaß ſie ganze Tage und nur dann und wann glitt Phi⸗ lipp's Name über ihre welken Lippen. Ihre Bedienung machte davon Anzeige bei der Königin, die ſich eben in Segovia aufhielt, aber wie gewöhnlich krank danie⸗ derlag. Donna Iſabella ſchickte ſogleich den Erzbiſchof von Toledo und den Biſchof von Cordova, aber noch nie hatte der geiſtige Zuſpruch bei der Geiſteskranken weniger vermocht als jetzt. Sie gab zwar den beiden Kirchenfürſten Andienz, ſo oft ſie wünſchten, jedoch ſtets in der Küche auf den harten und kalten Steinen des Fußbodens. So groß auch die Ehrfurcht war, welche ſie ſtets dem ehrwürdigen Fimenes erwieſen, er konnte ſie durch kein Mittel bewegen, ihren unfreundlichen