362 Die Reiſe daß er den ſpaniſchen Boden glücklich verlaſſen und ſich nach England eingeſchifft habe.
Die eingetretene trübe Herbſtzeit mit Sturm und Regen führte aber die Schwermuth und krankhafte Sehn⸗ ſucht der geiſtesſchwachen Königstochter nach ihrem fer⸗ nen Gatten in ſteigender Verſtärkung zurück; ſie weinte troſtlos ganze Tage, ſie heulte und ſchrie. Endlich ſchwur ſie ihren in Herzeleid faſt verkommenden Frauen zu, ſie werde, da ſie doch von ihren Eltern ſo grauſam und unmenſchlich zurückgehalten werde, wie jedes andere Weib in die Arme ihres Gemahls eilen und zu Fuß durch die Länder wandern, bis ſie nach Brüſſel komme. Mitleidige Seelen würden ihr wol als der Erzherzogin von Oeſtreich Speiſe und Trank geben. Die Frauen bewachten ſie ſeit dieſer Erklärung nur noch ängſtlicher und dieſe geſteigerte Vorſicht war nicht umſonſt. Eines Tages bemerkten ſie, daß die hohe Frau heimlich ein kleines Päcktchen mit einigen nothdürftigen Kleidungs⸗ ſtücken zuſammenſchlug. Gleich darauf nahm ſie den Kater Don Ceſar in den Arm und eilte die Treppe hinab aus dem Thore über den Schloßhof. Ein Leib⸗ diener begegnete ihr und fragte ſie verwundert: wohin ſie wolle?—„Zu meinem Gemahl!“ rief ſie und eilte haſtig weiter. Der Diener benachrichtigte ſchnell einige Frauen und es entſtand ein Geſchrei auf dem Hofe. Man rief der Wache an der Zugbrücke zu und dieſe zog raſch die Brücke auf, ſodaß die flüchtige Fürſtin


