Die Reiſe
ſten Wahrheiten der Religion nur taube Ohren hat. Wenn ſie ihr von den göttlichen Eigenſchaften des Er⸗ löſers ſprachen, begehrte ſie ihren Gatten, und wenn ſie ihr ein Bild von den himmliſchen Freuden der Re⸗ ligion zu entwerfen ſich bemühten, verlangte ſie wie⸗ derum nach ihrem Gatten; und da ſie ihr denſelben nicht verſchaffen konnten, ſo weinte und tobte ſie und ſtieß gegen Prieſter und Kirche die gottloſeſten Ver⸗ wünſchungen aus. Ihre Dienerſchaft ſuchte ſie auf jegliche Weiſe zu zerſtreuen, nichts deſto weniger war ihr Leben ein höchſt einſames, trauriges und ödes.
Eines Tages, als ſie im Schloßgarten allein wan⸗ delte und im kindiſchen Spiele die vom begonnenen Herbſt gegilbten und gepflückten Blätter vom Boden auflas, nahte ihr aus einer Laube tretend ein einfach gekleideter Mann, den ſie anfangs für einen ihrer Die⸗ ner hielt. Der Fremde trat ehrerbietig heran und flüſterte mit eigenthümlicher, weicher Betonung:„Donna Juanna!“
Verwunderungsvoll blickte ſie auf; ein leichtes Lä⸗ cheln, wie es ihrem Antlitz fremd geworden war, ſpielte leicht um ihre Lippen, ihre Augen nahmen einen Aus⸗ druck freudiger Verklärung an, indem ſie dieſelben mit einem langen und innigen Blick auf das Geſicht des vor ihr ſtehenden Mannes heftete. Dann ſagte ſie ebenfalls weich und zärtlich:„Alnayar!“
—„O warum nennt Ihr mich bei dieſem Namen,“


