nach Spanien. 357 3
Dame, welche geglaubt hatte, die Prinzeſſin werde ihr ein williges Ohr leihen, wenn ſie weidlich über Don Philipp losziehe.. Selbſt gegen ihre Mutter benahm ſich die Erzherzogin kalt und zurückhaltend, da ſie ver⸗ nommen hatte, ihr Gemahl ſei von der Königin ge⸗ kränkt worden. Endlich vernachläſſigte ſie ſogar ihre Katzen, was die Aerzte als den höchſten Grad von Verlangen anſahen, von dem bei ihrem ohnedies geiſtes⸗ ſchwachen Zuſtande bis zum vollſten Wahnſinn nur noch ein kleiner Schritt ſei. So vft die unglückliche Frau ihre Mutter erblickte, beſchwor ſie dieſelbe unter Thrä⸗ nen, ſie ihrem Gemahl nachzuſchicken, und die Königin vermochte ſie nicht mehr mit leeren Tröſtungen hinzu⸗ halten. Endlich weinte und ſchrie ſie tagelang und magerte zuſehends ab, ſodaß ſich die Königin genöthigt ſah, ſie vom Hofe zu entfernen. Sie wurde nach Medina del Campo gebracht, deſſen geſunde, friſche Luft man ihr zuträglich erachtete. Das königliche Schloß daſelbſt war nebſt einem kleinen Garten von hohen Graben und Mauern umzogen; man umgab die geiſtesſchwache Fürſtin mit einem ſichern Gefolge und beſorgten Prieſtern, welche ihr täglich und ſtündlich die Tröſtungen der Religion zuwenden ſollten. Wöchentlich beſuchte ſie abwechſelnd der Biſchof von Cordova und der Erzbiſchof von Toledo; aber alle dieſe Diener der Kirche mußten die Erfahrung machen, daß ein liebe⸗ ſehnſüchtiges krankes Frauenherz ſelbſt für die erhaben⸗


