Die Reiſe
Pwatzigstes Rapitel.
Die Sehnſucht und das brünſtige Verlangen der gei⸗ ſtesſchwachen Erzherzogin Infantin war für ihre Um⸗ gebung peinigend und rührend zugleich. Nach ihrer Entbindung hatte ſich dieſe Sehnſucht ſchier mit jedem Tage geſteigert. All' ihr Denken und Fühlen, ihr Dich⸗ ten und Trachten war auf den heißgeliebten Gatten gerichtet. Sie erinnerte ſich wenig ihrer in Brüſſel zurückgelaſſenen Kinder, ſie erzeigte ebenſowenig dem neugebornen Prinzen Fernando große mütterliche Zärt⸗
lichkeit, ſie fragte nur nach ihrem Gemahl, ſie klagte
ſich nur an, daß ſie ihn nicht zärtlich genug liebe, ſie jammerte nur, daß er ſie nicht mitgenommen habe. Wer irgend ein tadelndes Wort über den Erzherzog in ihrem Beiſein geſprochen, auf den warf ſie einen un⸗ auslöſchlichen Haß; ihre Oberhofmeiſterin Donna Francesca d'Ulloa mußte aus dieſem Grunde von ihr entfernt werden, zu nicht geringer Unluſt der alten


