346
auf die Fenſter der Zimmer zu richten, welche die Kai⸗ ſerin, eine ſchwache Frau, und ich, ein hülfloſes Kind, bewohnten. Eine Kanonenkugel fiel nicht weit von mir nieder; ſie hätte mich faſt getödtet. Nun, dann hätte das Haus Oeſtreich ſchnell ſein Ziel erreicht, und Alles wäre gut geweſen. Das Peinliche und Gräßliche dieſes erſten Eindrucks iſt mir bis jetzt geblieben, und ich werde es einſt mit in's Grab nehmen. Ich kann des⸗ halb die aufrühreriſchen, ungehorſamen Wiener nicht leiden. Die Hälfte jener Aufrührer lebt ja heute noch. Doch weiter! Ich war zehn Jahre alt, als jener fürch⸗ terliche Feind der Chriſtenheit, der ſeine Reſidenz in der alten vſtrömiſchen Kaiſerſtadt aufgeſchlagen hat, zum erſten Mal die deutſchen Grenzen überflutete. Neun ſolcher Ueberfälle der Türken haben bis zu meines Vaters Tod ſtattgefunden, du haſt die letzten derſelben ſelbſt ſchon erlebt. Der Schade, den ſie den öſtreichi⸗ ſchen Landen zugefügt, iſt unberechenbar. Kennten wir ſeine ganze Größe, wir würden uns entſetzen. Aber damit noch nicht genug, du kennſt die Verwickelungen, durch welche dein Großvater in Krieg mit dem kühnen König Mathias Corvinus gerieth, du weißt, welch' herr⸗ liche Stücke dieſer„Rabe“ von den öſtreichiſchen Län⸗ dern abriß, wie er ſelbſt Wien eroberte und es ſechs Jahre bis zu ſeinem Tode behauptete. Du weißt das Alles, denn du haſt es erlebt. Philipp, ich habe mei⸗ nen Vater geſehen, des römiſchen Kaiſers Majeſtät,
Die Reiſe
—
————————.
——————


