Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

von Antwerpen. 339

Ich habe alſo deine Schönheit unvergänglich, unver⸗ wüſtlich; ſchenke mir dazu dein Herz, dich ſelbſt und laß uns zuſammen in friedlicher Eintracht leben und hohe Kunſtgebilde ſchaffen. Sei nicht grauſam, Elev⸗ nore, und werde mein Weib.

Du täuſcheſt dich ſelbſt, Martin, verſetzte ſie kopfſchüttelnd,das iſt die Eleonore nicht mehr, die einſt mit dir zuſammen in ihres Vaters Werkſtatt an der Staffelei ſaß. Ich bin ein geſchändetes, in den Staub getretenes Weib. Ich bin gemisbraucht vom eigenſüchtigen Männergeſchlecht, von dem du die ein⸗ zigſte Ausnahme biſt. Aber gerade deshalb möchte ich dich nicht unglücklich machen. In meiner Seele wach⸗ ſen fort und fort Fluch und Rache gegen Fürſten und Pfaffen, gegen alle eiteln, begehrlichen Männer. Laß mich mein verdientes Unglück allein tragen und mein Schickſal erfüllen! Es wäre mehr, als grauſam von mir, wenn ich dir eine Strafe aufbürden wollte, da du doch keine Schuld verwirkt. Du biſt ein edler, großmüthiger Menſch, aber ich kann nur als dein Ge⸗ ſell arbeiten. Sieh', ich will dich lieben; ich will dein Knecht ſein; ich will zu deinen Füßen liegen; ich will arbeiten, bis mir die Augen erblinden, wie die meines Vaters, aber dein Weib kann ich nicht werden, dazu biſt du mir zu lieb und theuer. Nein, Martin, ein ſchönes Weib muß dich beglücken. Auch ihr will an ich dienen; ich will ſie erfreuen, wie ich kann ein

22*