340 Die ſchöne Kaufmannsfrau
ich will ihre Magd ſein.“ Thränen erſtickten ihre Stimme.
Martin umſchlang die Unglückliche zitternd; es war das erſte Mal, daß er ſie umarmte. Auch er weinte.
—„Es wird ſich Alles finden, ſagte er dann. „Wir wollen die Reiſe rüſten, damit wir ſie antreten können, wenn du erſtarkt biſt. Wenn du auch hier meinen Bitten zu widerſtehen vermagſt, wo dich Alles an die Vergangenheit erinnert, in Augsburg beginnt ein neues Leben für dich; dort wirſt du bald die geach⸗ tete und bewunderte Künſtlerin ſein. Und dieſe Be⸗ wunderung wird eine dauerndere ſein, als die frühere; ſie wird auch eine edlere und reinere ſein. Dann dünkt dir leicht, ja nothwendig, was jetzt unmöglich, und du wirſt mein liebendes und geliebtes Weib.“
—„Umgaukle nicht dich, nicht mich mit trügeri⸗ ſchen Hoffnungsbildern. Ich muß dir noch Eines ſa⸗ gen, aber ich vermag es nicht laut; ich fürchte mich vor dem Schall meiner eigenen Worte bei dieſem Ge⸗ ſtändniß.“
Und ſie zog ihn hocherröthend und die Augen vor Scham niederſchlagend zu ſich und flüſterte ihm etwas in's Ohr.
Martin ſchien einen Angenblick betroffen, dann aber jüßte er ſie auf die Stirne und ſagte:„Nichts vermag
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