Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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für die ſie umwaltende Liebe des Malers kein Auge zu haben. Der von fern ſtehende, ſtill ſelige Meiſter glaubte zu bemerken, daß ſie etwas bewege; er nä⸗ herte ſich ihr, um ſie nach ihren Wünſchen zu be⸗ fragen.

Sie ſah ihn lange forſchend an, endlich fragte ſie: Sagt mir, Martin, was iſt aus meinem blinden Vater, was aus meinen Geſchwiſtern geworden?

Es war das erſte Mal, daß ſie ihre Familie er⸗ wähnte.

Beruhigt Euch darüber, meine Frau, ver⸗ ſetzte der Maler,es iſt ihnen nichts abgegangen; ſie haben in ihrer gewohnten Lebensweiſe gelebt und wer⸗ den ferner ſo leben.

Aber von welchen Mitteln? Wer ernährt ſie? wer mich? Verhehlt mir nichts! Ich will es wiſſen! Ihre Stimme war unſicher und ſchwankend geworden.

Bedenkt, daß Ihr zwei Freunde habt, die Euch mit jeglicher Hülfe, die Ihr und die Eurigen bedürfen, beiſpringen, und daß der Eine davon der reiche Fugger von Augsburg iſt!

Alſo wir leben Alle von der Gnade eines Fremden! Sie verhüllte ihr ſchmerzlich zuckendes Ge⸗ ſicht. Als ſie wieder aufblickte, fuhr ſie ernſt und ge⸗ ſetzt fort:Das kann ferner nicht ſo ſein, Meiſter. Ich darf Eure und Herrn Fugger's Wohlthaten nicht

Die ſchöne Kaufmannsfrau