von Antwerpen. 335
ſeine Abſicht durchſchaut, ohne es ſich merken zu laſſen. Einſt, als er von einem Freunde zu ihr zurückkehrte, fand er ſie ohnmächtig auf dem Lager und neben ihr einen kleinen Spiegel, der ihrer Hand entglitten war. Als die Bande der Ohnmacht wichen, bemerkte Mei⸗ ſter Martin mit Schrecken, daß ihr Geiſt in andere und ſchlimmere gefallen war. Sie ſprach irre und ſchauderte ſtets vor einem Scheuſal zurück, das, ohne zu weichen, vor ihrer Phantaſie ſtand und in welchem ſie ſich ſelbſt erkannte. Sie hatte ſich durch Matty von einer Magd im Hauſe den Spiegel zu verſchaffen gewußt und der Eindruck, den ihre ſo ſchrecklich ver⸗ änderte Geſichtsbildung auf ſie gemacht hatte, war ein ſchier vernichtender geweſen. Sie fiel in ein hitziges Fieber und ſchwebte mehre Wochen zwiſchen Leben und Tod. Der Maler bewährte abermals ſeine tiefe und klare Treue an ihr. In der Obhut dieſes jetzt heitern und glücklichen Mannes, von welchem ſeit Elevnorens Unfall alle Schwermuth und Traurigkeit, die ihm ſonſt das Leben verdüſtert, gewichen waren, lag ſie wie un⸗ ter den ſchützenden Fittichen eines guten Genius und Fugger ſorgte gewiſſenhaft dafür, daß ihr nichts ab⸗ ging. Und ſo genas ſie abermals. Der ſonſt ſo grauſame Tod war mitleidiger gegen ſie, als das Leben.
Schweigend und in ſich gekehrt ſaß ſie eines Tages, während der Winter draußen ſtürmte, da und ſchien


