334 Die ſchöne Kaufmannsfrau
ſelbſt kommen konnte, ſo ſchickte er Antonio. Der Tod ihres Mannes und ihre Enterbung erſchütterte Frau Eleonoren ſehr, aber ſie war keines von den weibli⸗ chen Gemüthern, welche durch Unglücksſchläge zu ſanf⸗ ten Empfindungen und frommen Vorſätzen geſtimmt werden. Es ſchien im Gegentheil, als erbittere ſich ihr Charakter, vorzüglich durch die getäuſchte Hoffnung auf des Erzherzogs Beſuch vor deſſen Abreiſe. Sie erwähnte ſeiner nie wieder. An die Stelle des eiteln Stolzes trat nun harter Trotz und Groll mit ihrem Geſchick. Als das Gerücht von der Geiſtesverwirrung ihrer grauſamen Feindin zu Eleonorens Ohren drang, flog ein Lächeln befriedigter Rache über ihre entſtellten Züge Nur Martin's ausdauernder Treue zeigte ſie dankbare Anerkennung. Ja, die Handlungsweiſe die⸗
ſes trefflichen Mannes und ſchon ſeine bloße Gegen⸗
wart hatte einen beruhigenden und wohlthätigen Ein⸗ fluß auf dieſes mit der Welt verfeindete Frauenherz und man konnte mit Erſtaunen wahrnehmen„ daß ſie gut und mild war, ſo lange er um ſie ſchaltete und waltete. Ihre Wunden waren geheilt und es ſtand ihrer Abreiſe von Brüſſel nichts mehr im Wege, aber ſie zögerte damit von einem Tage zum andern. Mar⸗ tin, ſtets ſanft und gut und ihr ergeben, wie ein frommes Kind, hatte, um ſie über ihre Entſtellung im Ungewiſſen zu laſſen, Alles, was an einen Spiegel er⸗ innerte, ſorgfältig von ihr entfernt; aber ſie hatte


