von Antwerpen. 319
umſichtigſte und ſorgſamſte Pflege, die ein Geſunder einem Kranken angedeihen laſſen kann, wurde der Un⸗ glücklichen von ihrem Freunde bei Tag und Nacht er⸗ wieſen; unverdroſſen ertrug er ihren Eigenſinn, ihre böſen Launen, und wenn ſie in verzweifeltes Schreien und Jammern ausbrach, bengte er ſich mit ſanftem Tröſtungsworte zu ihr herab und gab ihr die Verſiche⸗ rung, daß er ſie nie verlaſſen werde. Wie lauſchte er auf jeden ihrer Athemzüge! wie ſuchte er ihr jeden Wunſch an den Augen abzuleſen! wie forſchte er ängſt⸗ lich nach ihrem Befinden! Sie wurde übrigens von Tag zu Tag kränker und ihr Wunſch nach dem Tode ſchien in Erfüllung gehen zu wollen.
Die fürſtliche Anſtifterin all' dieſes Unheils befand ſich in einer nicht minder troſtloſen Lage. Donna Juanna war zwar aus ihrer langen und tiefen Ohn⸗ macht wieder zum Bewußtſein gekommen, aber ſie ſtarrte mit einem unheimlichen Blick, den man früher nicht an ihr bemerkt hatte, ſprachlos vor ſich hin und gab auf keine Frage ihrer Umgebung eine Antwort. Ihre Frauen, von dieſem ſeltſamen Benehmen beun⸗ ruhigt, riefen die Herzogin Margaretha herbei; aber Juanna nahm von der Anweſenheit derſelben ſo wenig
Kenntniß, wie von der aller Andern. Der ſtarre Blick
ihrer Augen nahm keine andere Richtung und ihr Mund bewegte ſich ebenſo wenig, Margaretha mochte ſagen, was ſie wollte. Der Erzherzog, von dieſem ſehr be⸗


