Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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Die ſchöne Kaufmannsfrau

alle. Fluch über dieſe Fürſten, dieſe Pfaffen, dieſe Männer! Fluch über das ganze treuloſe, ſinnlich be⸗ gehrliche, verabſcheuungswürdige Geſchlecht! Und ein entſetzlicher Gedanke brannte durch ihr Gehirn. Sie griff nach einem ſeidenen Tuche, drehete es ſchnell zu⸗ ſammen, ſchlang es ſich um den Hals und ſchaute ſich nach dem nächſten Haken um. Da wurde die Thüre aufgethan und an Matty's Seite trat Meiſter Martin van der Voort raſch in's Zimmer, eilte mit ausgebrei⸗ teten Armen auf Elevnoren zu und ſank weinend mit dem Ausrufe:O, der ſchrecklichen Erfüllung meines Traumes! vor dem Bette in die Knie.

Kaum war nämlich die Kunde von dem ſchrecklichen Ereigniß, welches Frau Eleonore zu beſtehen gehabt, von Brüſſel nach Antwerpen gelangt, wo der fleißige Meiſter an van der Kapellen's Hauſe emſig ſchaffte, als er Pinſel und Palette erſchrocken von ſich warf, ein Pferd beſtieg und in liebender Haſt nach der Für⸗ ſtenſtadt eilte. Und am Bette der grauſam behandel⸗ ten, furchtbar enttäuſchten Frau, deren Eitelkeit mit Männerherzen ſo freventlich geſpielt hatte, entfaltete ſich nun, gleichſam zum Gegengewicht der Leiden, die mit ſo gräßlicher Gewalt über ſie gekommen waren, die Blume einer innigen und treuen Liebe, wie ſie ſolche nicht verdient hatte, und ein Herz, das ſie ge⸗ kränkt und zurückgeſtoßen, wurde ihr in ihrem ſchmach⸗ vollen und tiefen Unglück zur tröſtlichen Stütze. Die