320 Die ſchöne Kaufmannsfrau
denklichen Zuſtande unterrichtet, kam nun ebenfalls her⸗ bei und redete der Kranken mit ſanften Worten zu. Dies brachte einen Eindruck auf ſie hervvr. Sie ſah ihn plötzlich mit einem ſcheuen Blick an, ſtreckte die Hand nach ihm aus und als er ſich zu ihr niederbeugte, umarmte und küßte ſie ihn mit der leidenſchaftlichſten Heftigkeit und ſchrie dazu:„O, d'Alnayar! d'Alnayar!“ Dann ſank ſie wieder in die frühere dumpfe Theil⸗ nahmloſigkeit zurück. Philipp, ſich erinnernd, dieſen ihm unbekannten Namen ſchon in dem Augenblick aus ihrem Munde gehört zu haben, als er ihr den unſeli⸗ gen Schlag verſetzt hatte, fragte:„Was iſt das mit dieſem dAlnayar? Was wollt Ihr damit, Juanna?“ Und da ſie ihm nicht antwortete, wandte er ſich zu ih⸗ ren Frauen mit dem Befehl, ihm darüber Aufſchluß zu geben; aber keine vermochte ſeinem Willen zu genügen. Das Geſicht der Herzogin Margaretha war aber bei Nennung jenes Namens mit Purpurfarbe übergoſſen und ihr Auge hatte ſich mit einer ſeltſamen Ueberra⸗ ſchung auf die Kranke gewandt. Als ſie ſich von ih⸗ rem Bruder über dieſem Blicke betroffen ſah, ſenkte ſie das Auge verlegen zu Boden. 4.
—„Weißt du etwas über dieſen Namen, Gret⸗ chen?“ fragte ſie der Erzherzog.„Gewiß, du kannſt mir Aufſchluß geben; deine Züge, deren Sprache ich ſo gut kenne, verrathen mir, daß er dir nicht ſo un⸗ bekannt iſt, wie mir.“


