Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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von Antwerpen. 315

fehlte die Kraft, ſich zu erheben; ſie wandte ſich den düſtern Mächten der Tiefe zu.

Kaum nach Tagesanbruch rief ſie Matth zu ſich. Geh' und ſage dem falſchen Pfaffen, wenn er nicht käme, würde ich ihn ſogleich aufſuchen, wo er auch ſei; ich würde vor ſeinen Augen mir das Leben neh⸗ men, aber vorher dem Erzherzog ſein Betragen gegen mich ſchildern.

Die weinende Schwarze fand den Archidiakvnus im Begriff, abzureiſen; ſie ſprach ſo eindringlich, daß ſich Innocenz, obgleich widerſtrebend, entſchloß, ihr zu folgen. Mit wie ganz anderer Miene trat er jetzt bei Frau Eleonoren ein, als noch vor wenigen Tagen! Wie hatte eine einzige unglückliche Stunde ihn verän⸗ dert und alle Verhältniſſe! Schweigend ſtand er vor ihrem Bette, ſchweigend ſah ſie ihn an.Was wollt Ihr von mir? fragte er endlich kurz und froſtig.

Empört über dieſe herzloſe Frage antwortete ſie mit dem alten Stolze:Euch ſagen, daß Ihr der elendeſte und ſchlechteſte Wicht ſeid, den Gottes Sonne beſcheint.

O, Ihr ſeid noch nicht gedemüthigt! Doch es wird ſchon kommen. Euer Spiegel wird Euch ferner lehren, daß Euerm Stolz das Fundament unter den Füßen weggeſchnitten iſt. Ja, dieſe Schee⸗ renſchnitte werden ſich Euch ſchon in die Seele wüh⸗