von Antwerpen. 313
wandern. Die mangelnde Hülfe ſeines Knechts wurde ihm durch den pfiffigen und gewandten Antonio erſetzt, der, aus Furcht vor den Hofherren und Rittern, ſeine Zuflucht bei ihm ſuchte und als Lehrjunge ſeinen Schutz anſprach, den der gutmüthige Mann dem verwegenen Burſchen, nach einer Strafpredigt, auch ſo weit zu⸗ ſagte, als er in ſeinen Kräften ſtand.
Die unglückliche, ſchwer beſtrafte Kaufmannsfrau lag die erſten Tage auf ihrem Schmerzenslager in der ſtummen Betäubung der Verzweiflung. Welch eine Nacht in dieſer Seele, die erſt nur vom falſchen Schim⸗ mer der Hoffart und Eitelkeit erfüllt geweſen, von kei⸗ nem innern Stern der Tugend und moraliſchen Kraft, der wahren Liebe und der reinſten Weiblichkeit erhellt worden war! Welche finſtere, ſchwüle Nacht nun, wo jener Glanz ſo plötzlich gewichen! Und wie gährten und kochten böſe Gedanken und bittere Gefühle frag⸗ mentariſch und chaotiſch in dieſer heißen Finſterniß durcheinander! Mit fieberhaftem Verlangen erwartete ſie einen Beſuch des Erzherzogs, für deſſen Liebe ſie — ihrer Meinung nach— dies Martyrium erlitten; ſchlaflos und in großen Schmerzen brachte ſie die Nacht zu und nur neue Hoffnung auf ſein Kommen bewahrte ſie vor Wahnſinn; als er aber auch am folgenden Tage nicht kam, da wurde ihr das Lager zum glühenden Lau⸗ rentiusroſt und ſie ſtieß dann und wann einen kurzen, wilden, verzweiflungsvollen Schrei aus, der dem Arzte


