312 Die ſchöne Kaufmannsfrau
ſeinem Gaſtfreunde beim Frühſtück ſaß und der Fami⸗ lie deſſelben außerordentlich lange Geſchichten erzählte, auf das Zimmer zu rufen und ihm das Ereigniß in ſeiner ganzen nackten Schrecklichkeit mitzutheilen. Herr Peter van der Kapellen ſtarrte ſeinen ſchwarzen Leib⸗ diener mit geſpenſtigen Augen an, wankte plötzlich und fiel dem zum zweiten Male heftig erſchrockenen Rony in die Arme, indem er ein unverſtändliches Lallen hö⸗ ren ließ. Hierauf folgte eine große Verwirrung auch in dieſem Hauſe und auch hier holte man einen Arzt herbei. Dieſer erklärte, daß der antwerpener Kauf⸗ mann von einem Schlagfluſſe getroffen worden ſei. Es wurden geeignete Mittel angewandt, die, wie gewöhn⸗ lich, nichts halfen, und als Fugger nach einigen Stun⸗ den kam, um ſeinen antwerpener Handelsfreund mit der größten Vorſicht auf ſein Unglück vorzubereiten, fand er denſelben, von dieſem Unglück niedergeſchmet⸗ tert, bereits todkrank im Bette und den Pater Inno⸗ cenz mit geiſtlichem Zuſpruch an ſeiner Seite.— Zu den beiden Schreckniſſen des augsburger Leinwebers kam Abends das dritte, als Veit in einem ebenfalls jammervollen Zuſtande heimkam, der die Hülfe des
Arztes nicht minder erheiſchte, als die Umſtände von
Herrn und Frau van der Kapellen.
Die nächſtfolgenden Tage beſſerten in dieſen Ange⸗ legenheiten nichts und Fugger konnte faſt nichts weiter verrichten, als von einem Krankenbette zum andern


