24 Die ſchöne Kaufmannsfrau
Die burgundiſchen Fürſten, eine Zweiglinie des fran⸗ zöſiſchen Königshauſes Valois, durch Heirath und Erb⸗ ſchaft in Beſitz dieſer großen und herrlichen Länder ge⸗ kommen und aus den unfruchtbaren Bergen Pochbur⸗ gunds, ihres Stammlandes, herabgeſtiegen in die rei⸗ chen Riederungen, erkannten ihren Vortheil wohl und ſchützten und hoben den Handel durch die wichtigſten Privilegien und durch Verträge mit andern Mächten. Die ſteigende Großartigkeit des Verkehrs rief den Wech⸗ ſelhandel in's Leben und dieſer führte hinwiederum den Wohlſtand auf die glänzendſte Staffel kaufmänniſcher Betriebſamkeit. Die flandriſchen Kaufſente waren rei⸗ cher als Fürſten, ſie waren auch üppiger und ſtolzer; und der Fürſt dieſes Landes war reicher als alle Für⸗ ſten Europas zuſammen. Der Glanz, die Ueppigkeit, der Uebermuth dieſes Hofes machten die Ppeſien von vrientaliſcher Kalifenherrlichkeit äus den Märchen wahr. Und die italieniſchen Höfe waren doch berüchtigt wegen ihrer Verſchwendung. Philipp der Gütige, Herzog von Burgund und den Niederlanden, Karls des Kühnen Vater, war in Pracht, Mode, Wolluſt und Frivolität Sohn geber oder vielmehr Geſetzgeber für die übrigem euro⸗ päiſchen Fürſten, und die edle maleriſche Kleidertracht, die man ſpäter, als die öſtreichiſchen Erben der bur⸗ gundiſchen Herzogskrone Könige von Spanien geworden waren, vorzugsweiſe die ſpaniſche nannte, war ein Kind
des niederländiſchen feinen Geſchmacks, des fabelhaften


