Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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von Antwerpen. 23

geſellten ſich, wie es in der Natur der Sache lag, die friedlichen Künſte des Gewerbfleißes zu ihnen und die

Küſtenſchifffahrt wurde durch ſie bald zum großartigen

Seehandel erhoben. Von England brachten ſie Wolle zurück und der Leinweber wurde nun zum Tuchweber, deſſen tauſend Hände Frankreich und Deutſchland ſchon im zwölften Jahrhundert mit den geſuchten flandriſchen Tüchern verſorgten. Aber in zwei Jahrhunderten ſtieg der Reichthum der niederländiſchen Städte durch einen Zuſammenfluß der glücklichſten Umſtände auf eine frü⸗ her nie geahnte Höhe. Nicht nur, daß dieſe Handel treibenden Schiffer immer muthiger und unternehmen⸗ der wurden, je glänzender die Fülle des Glücks auf ſie herabſtrömte, ſo daß ſie ſogar ohne Kompaß, der noch nicht erfunden war, durch die Meere am Nordpol bis zur nördlichſten Landſpitze Rußlands zu ſegeln wagten, ſondern es wurden auch als nach den Kreuzzügen der vſt⸗ indiſche und levantiſche Handel nxch Eurvopa ſeinen Weg durch das Mittelmeer nahim und die Hanſe in's Leben rief, die mit den italieniſchen, Seehandel treibenden Städ⸗ ten wetteiferte, die niederländiſchen Häfen die Stapel⸗ plätze für das nördliche und mittlere Europa. Handel und Induſtrie ſtiegen mit jedem Jahre, mit ihnen der Wohlſtand, die Ueppigkeit und der republikaniſche Stolz

des Volks. Vorzüglich die flandriſchen Städte waren es, welche ſich eines ungeheuern Reichthums erfreuten, und unter ihnen ſtrahlten Brügge und Gent hervor.

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