22 Die ſchöne Kaufmannsfrau
nehmen Züge aufgeblaſenen Stolzes und ſchwer zu be⸗ friedigender Anſprüche.
Die brabantiſche Handelsſtadt Antwerpen, von den Deutſchen damals mehr Andorf genannt, war gerade zu jener Zeit in einem merkwürdigen und außerordent⸗ lichen Aufſchwunge begriffen. Die Natur ſelbſt hatte die Bewohner dieſer fruchtbaren, an den Mündungen mehrerer Hauptſtröme Deutſchlands und Frankreichs und an der Nordſes gelegenen Niederungen zu einem zugleich Schifffahrk, Handel und Ackerbau treibenden Volke beſtimmt. Schon der Kampf, den ſie mit dem gewaltigen, an ſie herandrängenden Meere einzugehen gezwungen waren, um ihre Wohnſitze durch Dämme 3 und Teiche gegen das naſſe Verderben zu ſchützen, ja wol gar den Fluten ganze Küſtenſtriche zu entreißen,
härtete ſie gegen die Gefahren und die Beſchwerden
des Meeres und des Landes ab Ind ſchuf ſie zu betrieb⸗ ſamen, erfindungsreichen Menſchen. Die außerordent⸗ liche und unerſchöpfliche Fruchtbarkeit der fetten Marſch⸗ länder gab ihrer Thätigkeik eine feſte und reiche Grund⸗ lage und machte ſie zu den feinen Genüſſen des Lebens geſchickt, die ja von Kampf und Gefahren nicht nur unſchädlich gemacht, ſondern auch bei weitem erhöht werden. Und ſchon frühzeitig fanden dieſe Küſtenbe⸗ wohner Abſatz für die Erzengniſſe ihres Fleißes in den nördlicher gelegenen Ländern, zu welchen ſie auf dem kürzeſten Wege nur zur See gelangen konnten. Bald 5
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