Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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von Antwerpen. 25

Reichthums und der freien Sitte. Ueber Staat und Kirche hatten die flandriſchen Kaufleute die freieſten Anſichten und wenn die Reformation der letztern in ihrem Lande trotz der Reformatoren, die unter ih⸗ ren Religivſen auftraten und gegen die ſchnöden Mis⸗ bräuche des römiſchen Papismus predigten nicht zur Ausführung kam, ſo lag der Grund davon weder in ihrer Einſicht, noch in ihrem Willen, wohl aber in ih⸗ rem Reichthum und in ihrer Geſchäftigkeit. Sie hatten keine Zeit, ſich viel mit ſolchen Dingen abzugeben, und gönnten den Geiſtlichen, von denen ſie in ihren Genüſſen nicht geſtört wurden, gern einen Theil der⸗ ſelben; ohne Neid blickte ihre Betriebſamkeit auf die faulen Bäuche, die die Beſorgung der himmliſchen An⸗ gelegenheiten für ſie übernahmen. Man ſetzte ſich mit der Kirche auf einen bequemen Fuß und dieſe hat ſich ja zu allen Zeiten für Schätze, die in ihren Schoos fielen, jede Herabwürdigung gefallen laſſen. Man hörte wol den reformatoriſchen Eifer der redlichen, gewiſ⸗ ſenhaften und kühnen Männer, die gegen den Papſt ſprachen, an, man gab ihnen wol Recht, aber dabei blieb es auch. Man war viel zu reich, um etwas An⸗ deres zu betreiben, als Handelsgeſchäfte. Nur die Noth gebiert das Große und nur in der kalten Nacht der Armuth gehen die Geſtirne auf, welche neuen Zeiten und welterſchütternden Begebenheiten voranwandeln, Fackeln, die den Wahn beleuchten und morſch gewor⸗