Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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von Antwerpen. 19

würden vor Langeweile viele Jahre vor ihrem natürli⸗ chen Lebensziele dahinſchmachten und ſterben, wie die Fiſche ohne Waſſer, wenn ſie nicht klatſchen dürften; alſo laßt ſie doch ſchwimmen und baden und ſich ergötzen in der ſchlammigen und etwas übelriechenden Flut, und verſchmäht es nicht, bei Gelegenheit ſelbſt einmal mit einzutauchen in das freſſende Salzwaſſer, in die beißende Lauge.

Frau van der Kapellen hätte um Alles die ihr ſo wichtigen Dienſte des jungen Prieſters nicht entbehren mögen, und deshalb bezähmte ſie ihren Groll, den er

ja auch nicht erregt hatte, und zeigte ihm ein freund⸗

liches Geſicht. Aus Beſorgniß aber, der unbeſonnene Geiſtliche möchte im Beiſein des Pagen irgend eine Geſchichte auftiſchen, bei welcher der erzherzogliche Hof in Brüſſel betheiligt ſei, fand ſie es für nöthig, zuvor ſeine Aufmerkſamkeit auf den ſtillen Knaben zu lenken, der ſich in eine der tiefen Fenſterniſchen zurückgezogen hatte und unbekümmert um das Geſchwätz der Beiden, mit wehmüthig träumeriſchen Blicken die fallenden Blät⸗ ter im Garten verfolgte. Die ſchöne Hausherrin hätte

hinſichtlich ſeiner ganz außer Sorgen ſein können: die

pikanteſte geheime Hofgeſchichte würde ungehört an ſei⸗ nem Ohre vorübergerauſcht ſein.

Es ſcheint mir, ſagte die Frau,die bei⸗ den Herren hier kennen ſich nicht. Vetter, Ihr ſeht den Hofjunker Seiner Hoheit des Erzherzogs, von Bü⸗

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