Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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18 Die ſchöne Kaufmannsfrau

Ihr ſeid heute übler Laune, Muhme! lachte der junge Prieſter, wie wenn er ſich unbändig über dieſen Umſtand freuete,und ich nehme deshalb meine Stadtgeſchichten wieder mit, obgleich einige voll Saft und Fett darunter ſind. Ihr würdet es mir ſchlech⸗ ten Dank wiſſen, wenn ich ſie auskramte.

Als ob ich Eure Gefälligkeit, mich zu unterhal⸗ ten und mich mit Neuigkeiten zu verſorgen, jemals ſchlecht vergolten hätte! lenkte die Dame milder ein; denn ſie war neugierig wie alle vornehmen Frauen, die ſich langweilen, und ſeit einiger Zeit gewohnt, ſich Stadtgeſchichten mit boshaften Zuſätzen und Bemerkun⸗ gen von dem jungen Leutprieſter zutragen zu laſſen; und er war ganz der Mann, ihre eigenen Bosheiten

und witzigen Einfälle über das Mitgetheilte anzuhören 2 und den mitgebrachten Stoff gehörig mit ihr zu verar⸗ beiten. Sie klatſchten weidlich zuſammen; denn zu al⸗ len Zeiten, in guten und ſchlechten, in großen und kleinen, im Alterthum, im Mittelalter und in der neue⸗ ren Zeit hat es in allen Ständen Weiber gegeben, die gern klatſchten, und Männer, die gern mit ihnen klatſch⸗ ten. Die Klatſcherei iſt für die meiſten Menſchen die eigentliche Lebenswürze, das Salz, womit ſie ſich friſch erhalten, und man ſollte deshalb dieſes Vergnügen, das ihnen zum Lebenselement geworden iſt, nicht ſo ſtreng beurtheilen, wie rigoroſe Sittenrichter in der Regel zu thun pflegen. Dreiviertel der Menſchheit