Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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14 Die ſchöne Kaufmannsfrau

hatte ſie in einen augenblicklichen Rauſch verſetzt, ſich von dieſem friſchen und ſpröden Jüngling geliebt zu wiſſen, deſſen blühende Jugendkraft unverkennbar in noch unverletzter Schönheit trotz dem üppigen bur⸗ gundiſchen Hofe aus allen ſeinen Formen ſtrahlte, und ihr beleidigter Stolz erſchrak nun in der Meinung, dieſem unbedeutenden Junker eine Blöße gezeigt zu ha⸗ ben, ihm zu weit entgegengekommen zu ſein und ſich nun von ihm zurückgewieſen, verachtet und verſpottet zu ſehen. Sie glühte vor Zorn und Haß, und ſie hätte ihn durchbohren können, wenn ihr ein Dolch zu Händen geweſen wäre. So aber nahm ſie ihre ganze Verſtellungskunſt zuſammen und ſagte mit der größten Kälte, deren ſie fähig war:In der That, Junker von Bübenhoven, Ihr müßt Euch nicht etwa einbilden, daß ich einen beſondern Antheil an Euch und Euern Geheimniſſen nehme! Ihr wißt, daß der Grund des Antheils, den ich Eurer Perſon überhaupt zu ſchenken veranlaßt worden bin, nicht in dieſer ſelbſt liegt, ſon⸗ dern ganz allein von den getreuen Dienſten abhängt, die Ihr einer andern hohen Perſon zu leiſten verpflich⸗ tet ſeid. Damit kehrte ſie dem Pagen, der nicht wußte, wie ihm geſchah, den Rücken und ſchellte ih⸗ rer ſchwarzen Zofe, der ſie zuherrſchte:Wenn mein Gemahl einen Augenblick von den Geſchäften abbrechen kann, ſo laſſe ich ihn zu mir bitten, da ich eben eine auch ihn angehende wichtige Botſchaft des Erzherzogs