von Antwerpen. 13
dieſem Augenblick war er unbeſchreiblich ſchön und ihre Blicke hingen mit ſchwelgeriſchem Wohlgefallen an ſei⸗ nen Zügen. Jetzt arbeitete ſich ein Entſchluß in ſeiner Bruſt herauf; er ſchien, trotz des empfangenen übeln Eindrucks, Muth zu ſchöpfen; er hob den Blick wieder mit einem ſüßen Feuer zu ihr empor und ſchon ſchwebte das vertrauende, bekennende Wort auf ſeinen Lippen, als ſie, von einem ſchmeichleriſchen Gedanken durchzuckt, ihm mit einem ermunternden Glutblick girrend zuflü⸗ ſterte:„Es ſcheint, daß ein warmer Frauenmund Euch das kalte Siegel von den Lippen wegſchmelzen muß.“ Und ſchon war ihr reizendes Lippenpaar den ſeinigen ſo nahe, daß ihr Hauch ſeine Locken fächelte. Aber kalt und ſchier erſtarrt in trübem, finſterm Ernſt verſetzte er:„Ich weiß nichts von Frauenliebe, meine Frau van der Kapellen, und Ihr habt mich da in ei⸗ nem falſchen Verdacht.“ Und wieder bleich und ſtumm ſtand er ihr gegenüber. Wie wenig kannte dieſe Frau das keuſche, ſtrengſpröde Herz eines Jünglings, der in ſeiner kalten und verdienſtloſen Tugend jedem ſüßen Angriffe unzugänglich, von ganz andern mächtigen Ge⸗
fühlen bewegt, ſich gewiß mit Abſchen von ihr gewen⸗
det haben würde, wenn er gewußt hätte, was in die⸗ ſem Augenblick in ihrer eitlen Seele vorging. Aber ſie nahm dieſes Verſtummen ſchon für Verachtung. Die ſchöne Frau hatte geglaubt, der Gegenſtand der gehei⸗ men Wünſche dieſes jungfräulichen Herzens zu ſein; es


