Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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12 Die ſchöne Kauſmannsfrau

ſich weit ausbreitenden Garten hinaus, in welchem ein DOetoberſturm eben vergelbte Blätter von den ſtattlichen Lindenbäumen fegte. Dieſes öde Bild der hinſterben⸗ den Natur, dem kein menſchlicher Reichthum, keine ir⸗ diſche Macht neues grünes Leben und friſche Schönheit einzuhauchen vermochte, ſchien ſeiner Stimmung mehr zuzuſagen. In düſtere Gedanken verfinkend, lehnte er die Stirn an die runden Fenſterſcheiben, aber die Bit⸗ terkeit ſeiner Empfindungen hatte ihm unwillkürlich und ohne daß er es wußte, Thränen in die Augen getrie⸗ ben, welche Frau van der Kapellen ſogleich bemerkte, als ſie wieder neben ihm ſtand und mit bedeutſamer Geberde ein klein zuſammengefaltetes, verſiegeltes Blätt⸗ chen in ſeine Hand legte, das er ſogleich in der Bruſt⸗ taſche barg.

Junker Bübenhoven, Euch drückt etwas ſchwer, ſagte ſie mit einem Tone, der zutraulich und her⸗ zengewinnend ſein ſollte, dem aber ein feines Gefühl, ein natürlicher Inſtinkt des Pagen das Gemachte und Unwahre anhörte,ein Kummer, ein Geheimniß, das ſich nach Mittheilung und Enthüllung ſehnt. Ich ſchenke Euch ſo viel Vertrauen; Ihr ſolltet mir billig mit gleicher Münze zahlen. Oder verdiene ich Euer Vertrauen nicht? Traut Ihr mir nicht den beſten Willen zu, Euch zu helfen, wenn es in meiner Macht ſteht?

Damit ſenkte ſie einen durchdringenden Blick in ſein Auge, ſo daß er es verwirrt zu Boden ſchlug. In