von Antwerpen. 11
da ich Euch allein finde, ſo gebeut mir der empfangene heimliche Befehl, Euch auch dieſen zweiten Brief zu überreichen und auf Eure gütige Antwort zu warten.“
Dies zweite kleine Briefchen ergriff die Dame mit augenblicklicher Aufregung und verſenkte es im Nu in den Buſen des ſchweren grünen und mit Goldſtickerei umſäumten Sammtkleides, das ihre üppigen Formen in weichen Wellen umfloß.
Dann erbrach und las ſie mit erkünſtelter Ruhe den zuerſt empfangenen Brief und ſagte endlich mit Würde:„Seine Hoheit der Erzherzog thut unſerem Hauſe viel Ehre an, indem er uns ſeinen hohen Be⸗ ſuch ankündigt, und wir werden dieſelbe zu ſchätzen wiſſen. Ich werde meinen Gemahl unterrichten und Euch dann die Antwort zuſtellen. Vorher jedoch“— und ſie legte die Hand auf den Buſen, drückte dann den Zeigefinger derſelben an den Mund und ſchien, durch eine hinter der ſeidenen Tapete verborgene Thür verſchwindend, dem Jünglinge mit dem vom Munde raſch entfernten Finger einen Kuß zuzuwerfen, der ihn hoch erröthen machte. Sein von Kummer ſichtbar ge⸗ trübtes Auge flog mit einem ſchwermüthigen Ausdrucke über die ungeheure Pracht des Gemachs hin, in wel⸗ chem er ſich jetzt mit den lärmenden Thieren allein be⸗ fand, dann kehrte er ihr ſchnell mit einer Miene voll Mismuth und Ekel den Rücken und ſchaute durch die hinteren Fenſter des Cloſets in den hinter dem Hauſe


