Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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10 Die ſchöne Kaufmannsfrau

der Bruſttaſche ſeines goldgeſtickten Rockes zog. Doch ehe er noch ein Wort geſagt, fragte ſie ihn:Ihr ſeid ja wol ein Oeſtreicher, Junker Bübenhoven? Ich ſtamme aus den tyroler Bergen, meine Frau, verſetzte der Page, und ſein Geſicht verdü⸗ ſterte ſich immer mehr, als wenn die Erinnerung an

ſein Vaterland ihn recht unangenehm berührt hätte.

Nun ſeht, wie höflich mein holder Lori gegen Euch iſt, daß er, Euch zum Gruß, Euer ſchönes Va⸗ terland ſo eifrig leben läßt! In dieſen Vögeln ſtecken verzauberte Geiſter. Wie könnte Lori ſonſt wiſſen, daß Ihr ein Oeſtreicher ſeid?

Der Gruß gilt jedenfalls meinem Rocke, oder vielmehr dem gnädigſten Herrn meines Rockes mehr als mir, entgegnete Bübenhoven,und dieſer mein Herr, des Erzherzogs Hoheit und Gnaden, iſt es ja auch, der Euch dieſen Brief mit dem freundlichſten Gruße ſchickt.

Die reizende Frau drohte dem Pagen lächelnd mit dem Finger und ihre geiſtreichen Züge drückten in die⸗ ſem Augenblicke die beruhigende Ueberzeugung aus, den Jüngling mit ſich im Einverſtändniß zu wiſſen und ſei⸗ ner Ehrenhaftigkeit jedes Vertrauen ſchenken zu dürfen. Und dieſe Meinung beſtätigte ſich im nächſten Augen⸗ blick, als der Page ihr, die eben im Begriff ſtand, den empfangenen Brief zu entſiegeln, mit zwei raſchen Schritten nahe trat und heſtig flüſternd ſagte:Und