Die ſchöne Kaufmannsfrau
man konnte nun innewerden, daß die ſtrengen Züge ſeines jungen, bleichen Geſichts, welche die Diener⸗ ſchaft des Hauſes für Ergebniß eines übermüthigen Stolzes genommen hatte, nichts als einen trüben, bit⸗ tern Ernſt bargen. Geknickte Lebenshoffnungen, erfro⸗ rene Jugendträume, ein ſchweres und unheimliches Un⸗ glück ſprachen aus den bleichen, ſchönen Zügen. Die Thür des Cloſets wurde von der ſchwarzen Dienerin, deren zärtliche, liebäugelnde Blicke ſogar keine Erwi⸗ derung fanden, geöffnet und der kalte, ſchmucke Jüng⸗ ling ſtand in einem kleinen Feentempel, zu deſſen phan⸗ taſtiſcher Ausſchmückung alle Reiche der Welt ihr Koſt⸗ barſtes geſchickt zu haben ſchienen, vor einem jungen Weibe, das als heiligſtes und höchſtes Wunder der Schönheit alle andern ſie umgebenden Wunder weit überſtrahlte. Es wäre verzeihlich geweſen, wenn man ſie für die Fee dieſes Zauberpalaſtes gehalten hätte. Ja, eine reizende Fee, in deren ſchönheitſtrahlenden Zügen, ſo weit ſie in des Dichters Phantaſie auch über das Maß menſchlicher Vollkommenheit hinausreichen, doch nicht die feuchte Verklärung des ſüßeſten Frauen⸗ gefühls, der ſchönen Schwäche, die das Weib erſt zum irdiſchen Engel macht, ſchwimmt und leuchtet. Ju⸗ gend und Anmuth, die edelſten Formen, die herrlichſte Geſtalt, ein tief blaues, beredtes, überredendes und bethörendes Auge waren Eigenthum der Frau van der Kapellen; ja ſie beſaß noch einen Reiz, wie hier kein
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