Teil eines Werkes 
1. Abtheilung, Philipp von Oestrich : Roman in drei Theilen : Die schöne Kaufmannsfrau von Antwerpen : 1. Theil (1846)
Entstehung
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von Antwerpen. 7

ſes, die, in Betracht der republikaniſchen Volksverfaſ⸗ ſung und des ungeheuern Reichthums ihres Gebieters, ſich weit mehr dünkte, oder wenigſtens im Trotz des verletzten Stolzes ſich anſtellte, als dünke ſie ſich mehr als der Page des Erzherzogs Philipp, des fürſtlichen Hauptes dieſes Landes, ſo überprächtig er auch geklei⸗ det war. Es wurden ſchon einige unwillige Töne ver⸗ nommen, ein herausforderndes Räuſpern, von einem trotzigen Blicke begleitet, oder ein freches Fluchwort grollend durch die halbgeöffneten Zähne gedrängt, und der Page, ſo hübſch und gutmüthig er auch ausſah, maß doch ſchon mit zornigem Erſtaunen die Geſichter, von welchen dieſe Töne ausgingen. Sicher würde es bald zu einem kleinen Wortwechſel gekommen ſein, wenn Matty nicht wieder erſchienen und den ſtolzen Pagen mit naiver Zutraulichkeit bei der Hand gefaßt

hitte, um ihn dem Kreiſe ihrer geärgerten Standesge⸗

noſſen zu entführen. Ihr Weg ging durch die reich geſchmückten Zimmer, deren Herrlichkeit der Page kei⸗ nes Blicks würdigte, obgleich ſeine eigene, verſchwen⸗ deriſch reiche und ſchöne Kleidung erſt zu dieſer Umge⸗

bung in richtigem Verhältniſſe ſtand. Erſt als der

graue Sittig beim Anblick des Pagen ſein:Hoch lebe das Haus Burgund! hervorgurgelte und im nächſten Zimmer eine ähnlich kreiſchende Vogelſtimme: Und Oeſtreich! hinzuſetzte, flog ein wehmüthiges Lächeln über das ernſte Geſicht des Jünglings und