Die ſchöne Kaufmannsfrau
Ein reichgekleideter blondgelockter Jüngling, in wel⸗ chem man auf den erſten Blick den gewandten fürſtli⸗ chen Pagen erkennt, drängt ſich plötzlich unter Matro⸗ ſen und Packknechten in das weite Thor des Hauſes; ſie würdigen ihn keines Blicks; nur Einer ruft dem ſchlanken Burſchen ein derbes Witzwort zu. Er erwi⸗ dert nichts, ſondern hüpft flink die Treppe hinauf und ſteht in zwei Minuten unter den weißen und ſchwarzen Dienſtgeiſtern in der Vorhalle, denen er kein unbekann⸗ ter Gaſt iſt; denn ſie erwidern ſeinen halb freundli⸗ chen, halb hochmüthigen Gruß auf die verſchiedenſte Weiſe; gleichgültig, hochmüthig, trotzig, freundlich, pfiffig lächelnd; am liebevollſten eine junge ſchöne Ne⸗ gerin. Und an dieſe wendet ſich der Page mit der Frage:„Iſt meine Frau van der Kapellen zu Hauſe und kann ich ſie ſprechen?“
—„Sie wird Euch nicht abweiſen laſſen,“ verſetzte die ſchwarze Dienerin mit einem ſchalkhaften Blick auf das Geſicht des ſchönen Knaben,„da Ihr jedenfalls vom Hofe in Brüſſel kommt.“
—„So iſt's. Ich bringe Botſchaft Seiner Hoheit des
Erzherzogs. Geh, Matty, und melde mich meiner Frau.“
Die Schwarze ſchlüpfte nickend durch eine Thür, und der eitle Page ſchritt, den Kopf zurückgewor⸗ fen, klirrenden Spornſchritts durch das Zimmer auf und ab, ohne Jemanden weiter eines Wortes zu wür⸗
digen, zum großen Aerger der Leibdienerſchaft des Hau⸗
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