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aufgezehrt; die Juden, die ihm, wenige Monate vorher, wie einem Fürſten entgegen gekommen waren, verſagten ihm jetzt ein Obdach; man floh den Geäch⸗ teten, man verabſcheute ihn, man verſchloß ihm die Thüre, ſeine Verwandten verleugneten ihn. Der ſtolze Meſſias der Juden ging bettelnd durch das Heimathland ſeiner Eltern, und chriſtliches Mitleid friſtete ihm das Leben. Um unerkannt zu bleiben und den wüthendſten Verfolgungen zu entgehen, mußte er ſogar den Juden verleugnen.
So war er wieder nach Nauplia gekommen, entkräftet von den Anſtrengungen einer großen mit Entbehrungen und Unbequemlichkeiten verbundenen Fußreiſe, krank, ohne Mittel, im tiefſten Elend. Da ſtand er an der Stelle wo er Thamar's entei⸗ lendes Schiff zum letztenmal geſehen, und die Weh⸗ muth griff ihm in's Herz. Er weinte bitterlich. Zum erſtenmal kam ihm ſeine Meſſiasbeſtimmung traurig vor, aber der Gedanke erhob ihn aufs neue, daß er, den alten Prophezeihungen zu Folge, durch Leiden und Trübſale in das Reich ſeiner Herrlich⸗ keit eingehen müſſe. In Griechenland war ſeines Bleibens nicht, das ſah er wohl ein, und er war
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