Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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meine Seele. Wie ein verheerender Blitzſtrahl fuhr meine Untreue in den Bluthenkreis Ihres Lebens. Ich habe ſchwer dafuͤr gebuͤßt. O ich bitte, ich be⸗ ſchwoͤre Sie, verdammen Sie mich nicht ganz. Leſen Sie dieſe Zeilen! hoͤren Sie meine letzten Worte! Es iſt die Bitte einer Sterbenden. Ein ungluͤckbrin⸗ gender Stern ging an Ihrem Horizonte auf; den reinen Starken mußte er verſchonen, mich, die Schwache, riß der zerſtorende Komet zum Verderben. Er heißt Fanny Wilmeſon. Schon bei dieſem Na⸗ men zucken krampfhaft alle meine Nerven. Wenn ich mich auch nicht zu dem Anſchaun Ihres Sonnen⸗ glanzes erheben konnte; ach! ſo wurde ich doch ſo ſchoͤn von ſeiner Waärme durchdrungen! Ich war

ſo gluͤcktich in Ihrer Liebe! Aber da ſandte die Hoͤlle

ihre Tochter herauf. Sie warf die Netze aus nach dem Sohn des Lichts. Meine Augen wußte ſie mit Trug zu umhuͤllen, alle teufliſchen Kuͤnſte wandte ſie an, meine Sinne zu betaͤuben. Der Trug gelang ihr fuͤrchterlich. Ach! warum kamen Sie an jenem Abend in Goͤttingen nicht? Schon hatte mich der Betrüger, ihr treuer Knecht, der Ausfuͤhrer ihrer Pläne, umgarnt, ſchon hatte er in Caſſel mich ein⸗ genommen, aber eine duͤſtere Ahnung ſtieg in mir auf, und ſie brachte eine große Sehnſucht nach Ihnen mit. Waren Sie gekommen, ich weiß es, ich waͤre den Teufeln entgangen. So riß mich nun mein Schickſal fort. Ich mußte in den Abgrund hinab. Auch meine Mutter war mit Blindheit geſchlagen, Die Intrigue. M. 8