Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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junge Herr Lord, als Subſtitut, ſeine Probepredigt

thun.

Der Vorſchlag wurde mit allgemeinem Jubel aufgenommen. Man wollte den alten Vater Rein⸗ hard uͤberraſchen. Er wußte noch nichts von der Anweſenheit der hohen Gaͤſte.

Die Vorkehrungen zu der Abreiſe und zu dem feierlichen Tag brachten das ganze Haus in Aufruhr. Schon war die Stunde beſtimmt, wann man abfahren wollte. Da reichte das Schickſal Eduard noch ein⸗ mal den Becher des Schmerzes. Die Geſellſchaft war froͤhlich beiſammen; er erhielt einen ſchwarzge⸗ ſiegelten Brief. Kaum hatte er ihn ahnungsvoll er⸗ brochen und die Hand erkannt, ſo erblaßte er. Als er ihn durchleſen, ſtuͤtzte er ſchwermuͤthig das Haupt auf den Arm und zwei bittere Thränen zitterten auf den bleichen Wangen herab. Er reichte Marie'n den Brief, und ſie las mit gedaͤmpfter Stimme:

Mein Eduard!

Erlauben Sie einer Sterbenden dieſe holde An⸗ rede, die Sie ſonſt aus ihrem Munde ſo gern hoͤr⸗ ten. Ach! der Tod rinnt ſchon in meinen Adern. Ich fuͤhle es, daß ich in einigen Stunden nicht mehr bin, und doch doch fuͤhle ich, daß ich nicht eher ſterben kann, bis Sie mir ein Wort der Verzeihung verkuͤndet haben. Ich habe Sie tief, unendlich tief gekränkt; das Graͤßliche meiner That gegen Sie tritt in ſeiner wahren furchtbaren Groͤße jetzt klar vor meine