32 einige Fraͤulein auf dem Gute Grasdorf wohnhaft, die eine Menge Fante und Romanenſchreiber um ſich herum verſammelt hatten, um ein idylliſches Leben zu fuͤhren. Bald kamen mehre Koketten hinzu, die ihren ſinnlichen Lebenswandel hinter den Rollen der Schaͤferinnen verſteckten. Man las Theokrit in fran⸗ zoͤſiſchen ueberſetzungen und lernte Geßners Idyllen auswendig, damit man immer einen Schwall einfach⸗ klingender Redensarten bei der Hand haben wollte. Ein Strohhut, wie ihn die Schweizerdirnen tragen⸗ hing nur auf der Seite des Kopfes; das Haar wur⸗ de geloͤſ't und fiel in langen Locken herab; ein bun⸗ tes Leibchen umguͤrtete den Leib, und ein kurzes Roͤck⸗ chen verhullte kaum die verborgenen Reize und machte das Maͤnnerauge nur gieriger. Dazu ein Schaͤfer⸗ ſtab mit Bändern geziert und eine Hirtenfloͤte, jede der Damen ein Paar Lämmer um ſich herum, und die Arkadierinnen waren fertig. Die Herren erman⸗ gelten nicht, in der edeln Einfachheit nachzufolgen, und ich glaube, wenn der Winter nicht gekommen waͤre, ſie waͤren alle in den Stand der Unſchuld zu⸗
ruͤck gekehrt. Man machte Verſe und ſprach zuletzt
in Verſen. Das Landleben wurde in den ſchlechte⸗ ſten Jamben hochgeprieſen. Dies dauerte ſo lange, bis einige von den idylliſchen Holdinnen fur nöthig fanden, gewiſſer urſachen wegen, ſich, um kein Auf⸗ ſehen zu erregen, heimlich zu entfernen. Es druckte ſich ſtill eine um die andere ab, und man wußte nicht, wohin ſie kamen. Das erregte nun erſt rech⸗


