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eigenen Fleiſche, und zehre mich auf in dem ewigen Wechſel der Empfindungen. Bald bin ich geneigt, ihr zu vergeben, ſie zu entſchuldigen, ſie vor jedem Tadel ſelbſt zu retten, bald ſehe ich in ihr das ge⸗ meine Weib, die ſchonungslos mich einem Buben aufopferte, der ihr eine ſchoͤnere Geſtalt und eine Hand voll Gold entgegen trug. O daß doch Alles verſchachert wird!——
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„Und auch du biſt von meiner Bahn geſchieden, ſanfte Anna, Gefaͤhrtin meiner Jugend. Soll ich denn Alles verlieren? Lachen die Himmliſchen mei⸗ ner Hohn, daß ſie mir jedes Gluck vorſpiegeln, und, wenn ich darnach haſche, mich ein Nichts umarmen laſſen? Wie konnte das ſuͤße Girren dieſer Taube meine Schmerzen einlullen! wie konnte ich das Toben meiner Bruſt vergeſſen, wenn ich in die reine Lie⸗ fe dieſer klaren Seele ſah, worin ſich der Himmel mit ſeiner ätheriſchen Bläue ſchoͤner abſpiegelte! Sie fuͤhrte den Fluͤchtling zur heimiſchen Huͤtte zuruͤck und lehrte mich, der ich das All durchflog, mir den Gott zu ſuchen, an dem Heerde fromm beten zu den haͤuslichen Laren. und nun fort von mir! Losge⸗ riſſen von dem darangewachſenen Herzen! Soll ich mich da nicht verbluten!“
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„Ich habe in dieſen Tagen mit den fuͤrchter⸗
lichſten Schmerzen die Wahrheit uͤber mein Selbſt 7


