Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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Schmerzing's hatten nach allen Weltgegenden Er⸗ kundigungen ausgeſchickt; Wilhelm ſelbſt hatte meh⸗ re Streifzuͤge gemacht, aber nirgends war eine Spur zu finden. Man nahm zu oͤffentlichen Blät⸗ tern ſeine Zuflucht; keine Antwort! Wilhelms Liefſinn nahm immer mehr uberhand und die Hof⸗ raͤthin ſah mit innerem Schmers ihr einziges Kind dahin welken, wie eine Blume, die des belebenden Sonnenſtrahles entbehren muß. Faſt ſechs Mona⸗ te hatte er ſchon ihrer Umarmung entbehren müſ⸗ ſen, kein verſchämter Kuß von den keuſchen Lippen hatte durch ſein Herz gebrannt, kein ſuͤßes Wort hatte ihm von ihr getont. Wie herrlich hatte er ſich die Scene des Wiederſehens geträumt, wie herrlich ſich die Tage ausgemalt, die ihm aufblühen wuͤr⸗ den. Als ſeine Braut hatte er ſie umfangen, als ſein Weib hatte er ſie bald an das Herz druͤcken wol⸗ len und nun dieſe fuͤrchterliche Leere! Vergebens breitete er ſeine Arme in die Nacht hinaus, wenn er auf des Hauſes Altan ſaß, Anna kam nicht, ſich hinein zu legen; vergebens gab er den Winden ſei⸗ nen Kuß, er wußte ja nicht, wohin ſie ihn tragen ſollten. Es kam ihm Alles ſo nuͤchtern, ſo ſchaal vor, daß er ſich ſcheute aus ſeiner Stube zu treten⸗ es haͤtte denn zu einem Kreus⸗ und Querzug ſein muͤſſen, das Heil ſeiner Seele zu ſuchen⸗ Doch trauriger kehrte er wieder jedesmal zuruͤck, denn er hatte ſie ja nicht gefunden. So verlor er allmä⸗ tig alle Hoffnung unv verſiel in eine dumpfe Gleich⸗

gultigkeit.