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ierſein, und ich habe oft im Stillen fuͤr dich ge⸗ zittert. Darum alſo dieſes immer waͤhrende Annä⸗ hern, daher das liebevolle freundliche Weſen gegen meine Mutter— o dieſe Schaͤndliche! ſie hat mich gewiß um meine Anna gebracht!
„Du ſcheinſt zwar Recht zu haben,“ erwieder⸗ te Jener: doch, wenn ich bedenke, daß es der höch⸗ ſte Triumpf einer Kokette oder wolluͤſtigen Frau iſt, einen Juͤngling, den ſie noch unverdorben weiß, in ihre Netze zu verſtricken, da kann ich den Ge⸗ danken nicht verdrängen, daß Du zu weit gehſt. Laß uns auch gegen ſie gerecht ſein! Vielleicht iſt ein zu feuriges Blut die Triebfeder aller ihrer Hand⸗ lungen hinſichtlich meiner.“
„Aber um des Himmels Willen! ſagte Wilhelm, warum denn gerade die wichtigen Briefe an uns entwenden laſſen? Warum die naͤhern Umſtände von Anna's Abreiſe abſichtlich verſchleiern, wobei ſie nach unſern Begriffen nichts gewinnt und verliert“
Eduard blickte ernſt vor ſich hin; ein ttiefer Seufzer entſtieg ſeiner Bruſt; dann fuhr er plotz⸗ lich mit der Hand uͤber das Geſicht und brach los: „„Ja, ich will mich ihrer entledigen; will mit ei⸗ nem male das verhaßte Joch abſchuͤtteln, was ſie liſtig und faſt ohne mein Wiſſen uͤber mich herge⸗ worfen hat! Jetzt gleich will ich ihr ſchreiben und ſie ſoll erfahren, daß ſie es mit einem entſchloſſe⸗ nen Juͤnglinge zu thun hat!“


