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in die Feſſeln eines verachtungswürdigen Weibes ge⸗ fuͤhrt hätte. Er dankte der waltenden Vorſehung fuͤr den erwachten Funken ſeines beſſern Selbſt's, und fuͤhlte ſich neugeſtärkt, ſo leicht und ſo froh, wie nach der Vollbringung einer edeln That. Wie ſchwarze Gewitterwolkenmaſſen lag es hinter ihm; ſie waren gluͤcklich an ihm voruͤber gezogen und er blickte mit frohem Muth in die vor ihm ſich ausbreitende heiter Bläue. Jetzt eilte er zu Schmer⸗ zing's, und theilte ſeinem Freund, den er ernſt und trubſinnig auf ſeinem Zimmer fand, die eben uber⸗ ſtandene Gefahr mit, und fragte ihn, was nun zu thun ſei?
Wilhelm erſchrack vor dem unheil, welches über ſeinem Freunde geſchwebt hatte; denn welche Leiden, welche Verfolgungen und Verkettungen konnte dieſe einzige ſchwache Minute nicht nach ſich ziehen!
„Nun wird mir klar, lieber Eduard,“ rief er: „was der Zweck ihres ganzen Strebens war; ich er⸗ kenne die Beweggruͤnde ihrer Handlungen: ſie hat Dich in ihrem Garne fangen wollen, um ſo durch Dich, Gott weiß! welches Ziel erreichen zu koͤnnen. Denn an der Verfuͤhrung eines Juͤnglings allein konnte ihr doch gewiß nicht ſo viel gelegen ſein, daß ſie ſo lange und beharrlich ihren Plan hätte verfolgen ſollen. Erſt mußte ihr Emmeline, dann Anna aus dem We⸗ ge, damit Dir kein weibliches Herz nahe ſtaͤnde und nun läßt ſie alle Minen ſpringen; denn ſie iſt noch nie Dir mehr entgegen gekommen, als ſeit unſerem


