Teil eines Werkes 
2. Theil (1828)
Entstehung
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den Augen das herrliche Bild verſchlingen. Durch alle Sinneswerkzeuge ſog er ſtromwe ſe das ſuͤße Gift ein. Seiner nicht mehr maͤchtig, trat er zum Lager der Schlummernden, beugte ſich uͤber den wo⸗ genden Buſen hin und druͤckte ihr einen brennenden Kuß auf den uͤberpurpurten Mund. Sanft ſchlug ſie die Augen auf, und eine brennende Roͤthe, die ſich uͤber Mund und Nacken goß, verrieth die Schaam, welche ſich ihrer zu bemeiſtern ſchien. Der wonne⸗ trunkene Juͤngling beugte ſich noch mehr uͤber den duftenden Leib und fuͤhlte ſich bald von ihren weichen Armen umſchlungen. Ein Heer von Kuͤſſen brann⸗ te auf ſeinen durſtigen Lippen; er gab ſie bebend zurück.Suͤßer Junge! lispelte ſie verlangend, und hoͤher wallte der nun ganz entbloͤßte Buſen. Die Gewänder flogen zurüͤck und in Mutter Evens reizendem Brautſchmuck lag die Holde vor ihm, da im Augenblick der hoͤchſten Gefahr erwachte ſeine ſittliche Kraft und draͤngte die uͤberhand genommene Sinnlichkeit zuruͤck. Die Wuͤrde ſeines Lebens trat wie ein geharniſchter Ritter vor ihn hin; er ermannte ſich, ward Herr ſeiner Leidenſchaft und riß ſich aus den Armen des erſchrocknen Weibes los.

Ich verachte Sie!rief er knirſchend und floh, wie Joſeph vor Potiphars Weib, und eilte in's Freie. Als ſein gluͤhendes Blut ſich etwas ge⸗ kaͤhlt, und ſeine aufgeregten Sinne ſich geſammelt hatten, ſah er mit Schaam und Schrecken auf den verfloſſenen Augenblick zuruͤck, der ihn vielleicht bald