6
Weib ſein, die alle ihre Abſichten hinter Masken verſteckt.“
„Du ſagſt mir, lieber Wilhelm, was ich längſt ſchon dachte, laͤngſt mir vornahm. Ich fuͤhle mich ſtark genug, ihren Angriffen Trotz bieten zu koͤnnen. Mag ſie alle ihre Weiberwaffen gebrauchen, ich wer⸗ de ihnen männlichen Ernſt und Kraft entgegenſetzen.“
Von dieſer Zeit an beobachtete Eduard die Wil⸗ meſon genauer und mied nicht ſo, wie fruͤher, ihre Annäherung. Sie ſuchte ihn nun uͤberall auf, wußte hundert Gelegenheiten zu machen, daß ſie mit ihm zuſammentreffen mußte, überraſchte ihn auf ſeinen einſamen Spaziergaͤngen und ſchloß ſich dann an ihn an, und ſchenkte ihm ihr ganzes Wohlwollen, die ausgezeichnetſte Freundlichkeit und Aufmerkſamkeit. Sie war jetzt faſt eben ſo viel bei Hofraths als ſonſt, und wußte durch ihr ſanftes zuvorkommendes Betra⸗ gen die Hofraͤthin zu beſtechen. Sie ſprach mit ſo viel Ruͤhrung von Anna und machte ſo gewiſſe Hoff⸗ nung, daß ſie, nach ihrer eigenen Verſicherung, ge⸗ wiß recht bald wiederkommen wuͤrde, um den geheim⸗ nißvollen Schleier zu loͤſen, daß man allmaͤlig ſich daran gewoͤhnte, ſie fuͤr ganz unſchuldig zu halten.
Eduard glaubte mehr und mehr eine immer groͤ⸗ ßere Zutraulichkeit von ihrer Seite zu bemerken, und er ſah ſich unvermerkt mit ihr in einem Verhaͤltniſſe, das keine geiſtige, wohl aber eine ſinnliche Tendenz hatte. Dies beſtätigte ſich, als er auf einem Balle, nach einigen erhitzenden Taͤnzen, ſich plotzlich mit ihr


