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meinen Zorn zu befürchten? Trauen Sie mir keine Achtung gegen ſolche Reize zu?“
„Sie ſpotten meiner, beſter Golding! Ich war ja ſchon im Voraus von Ihrer Guͤte uͤberzeugt; des⸗ halb nahm ich auch die Sache, wie man zu ſagen pflegt, auf die leichte Achſel. Doch ich ſehe es Ih⸗ rem ganzen Geſichte an, Sie ſind geſpannt und har⸗ ren der Dinge, die da kommen ſollen. So wiſſen Sie, Ihre Schweſter gab mir allerdings einen Brief, den ich in Ihre Hand zu liefern verſprach; doch das Geſchick wollte leider! daß ich es nun nicht mehr vermag.“
„Wie? rief Eduard aufſpringend und unter⸗ druͤckte eine Aufwallung des heftigſten Unwillens, und ſchnell die Stimme bezaͤhmend wandte er ſich zu ihr:„Sie werden ſolch unwuͤrdigen Brief nicht zum Gegenſtande Ihres Scherzes machen? Geben Sie ihn mir, ohne Scherz; denn er wird mir, nach allem, was geſchehen iſt, großen Aufſchluß uͤber mei⸗ ne Familienverhaͤltniſſe geben, wird mir den Aufent⸗ halt und Namen meiner Eltern nennen, und mich, den Fremdling in dieſer Welt, an den heimiſchen Heerd weiſen.“
„Iſt das moͤglich! Ja, ja, Sie haben Recht! Ihre Schweſter, erinnere ich mich dunkel, ſagte mir etwas Ihnliches. O, wie bedaure ich ſo ſehr, daß ein ſo unerwartetes ſchlimmes Ereigniß den Brief verloren gehen ließ. Doch, bedenken Sie, daß das
ungluͤck nicht ſo groß ſein wird, als Sie wohl glau⸗


