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Regligee. Das zarte knappe Gewand verhüllte nur halb die Reize ihrer uͤppigen Formen. Aus ihren großen ſchwarzen Augen blitzte beim Anblick des ſcho⸗ nen kräftigen Juͤnglings ein ungezähmtes Verlangen. Einzelne ſchwarze Locken ſtahlen ſich aus dem nied⸗ lichen Häubchen hervor, um herabrollend die blen⸗ dende Weiße des entbloͤßten Nackens zu erheben. Sie erhob ſich bei Eduard's Eintritt vom Sopha und gruͤßte ihn aͤußerſt liebevoll. Eduard erkannte zwar in ihr die Schoͤpferin ſeiner verwickelten Lage, ſeines Ungluͤcks, Emmelinen verloren zu haben; aber er konnte ſich doch nicht verläugnen, daß ſie ſehr rei⸗ zend, ſehr liebenswuͤrdig ſei. So ſehr er fruͤher ſie gemieden hatte, ſo mußte er ſich jetzt geſtehen, daß in ihrer Geſtalt ihm etwas Anſprechendes, etwas Anziehendes entgegen trete. So ſehr er ſich erſt vorgenommen hatte, Freundlichkeit und Hoflichkeit ihr erheucheln zu wollen, ſo unvermerkt wurde ihm ſeine Rolle natuͤrlich, und, von der unwiderſtehlich⸗ keit ihres ganzen Weſens bezaubert, war er ſo unbe⸗ fangen freundlich, als ob nichts vorgefallen wäre. Sie ſchien ihren Triumph in ſeinen Blicken zu leſen, denn mit einer Anmuth ohne Gleichen freute ſie ſich, ihn ſo gluͤcklich und wohlbehalten wieder zu ſehen, erging ſich in Lobpreiſungen uͤber ſeine bluͤ⸗ hende Geſtalt, und wußte bald mit derjenigen Leich⸗ tigkeit, die die erfahrene und gewandte Menſchenken⸗ nerin verrieth, ihn zu noͤthigen, daß er ſich auf das Sopha niederließ. unvermerkt ſaß ſie ihm zur Seite


